Streuobstwiese

Im südwestdeutschen Raum haben Streuobstwiesen eine lange Tradition. Viele Streuobstwiesen sind jedoch mittlerweile durch Bebauung und Rodung verschwunden. Die Wertschätzung für Obstprodukte - wie etwa Apfelsaft aus naturverträglicher Erzeugung nimmt heute ständig zu.
Aber auch für die heimische Tier- und Pflanzenwelt sind Streuobstwiesen von erheblicher Bedeutung. Bis zu 5000 Arten sind in der "Savanne des Nordens beheimatet, darunter zahlreiche, die gefährdet sind, wie z.B. Steinkauz und Wendehals. Im Geäst der alten, hochstämmigen Obstbäume brüten Vögel und jagt der Siebenschläfer, im morschen Holz legen Käfer und Wildbienen ihre Brutröhren an, Spechte zimmern Höhlen, die später als Verstecke und Brutplätze für viele andere Vogelarten und Fledermäuse dienen, und in der Rinde des Stammes stochert der Baumläufer nach Insekten.
Trockenmauer
Ein massives Nachpflanzen innerhalb kurzer Zeit führt über die Jahrzehnte zu einem einseitigen Altersaufbau und endet mit dem Zusammenbruch des Altbaumbestandes, da nicht genügend jüngere Bäume nachgewachsen sind. Der Pflegeplan zeigt, wie sich der Obstbaumbestand der Wettersbacher Feldflur nach Alter und Art zusammensetzt und ermöglicht dadurch gezieltes Nachpflanzen zur Förderung eines ausgewogenen Bestandes.
Ein Frühlingsspaziergang durch blühende Obstwiesen zählt zu den schönsten Erlebnissen in der heimatlichen Landschaft.
Dunkelblaue Holzbiene,
eine der größten heimischen Wildbienen
Die Wildbienen, zu denen auch die Hummeln zählen, spielen für die Bestäubung der Obstblüten eine wichtige Rolle. Da sie bei niedrigeren Temperaturen fliegen können als die Honigbienen, können sie auch bei kühler Witterung für eine Bestäubung sorgen. Die meisten Wildbienenarten leben einzeln. Ihre Nester legen sie z.B. in morschem Holz, in hohlen Stängeln, in Mauerfugen oder im Bereich offener Bodenstellen an. Zur Ernährung benötigen sie blütenreiche Flächen wie etwa Wiesen, Wegränder, Unkrautflächen, Gebüsche und Waldränder. Streuobstwiesen sind für Wildbienen deshalb bedeutsam, weil sie hier sowohl Blüten (Obstbäume, Wiesenblumen) als auch Nistplätze (Totholz an Obstbäumen) finden.

Eine naturgemäße, bienenfreundliche Pflege ist hier besonders wichtig. Dazu müssen blütenreiche Wiesen und morsche Äste, aber auch tote Bäume erhalten werden.

Pflege

Nur alte, hochstämmige Obstbäume bieten den typischen Tierarten der Streuobstwiesen genügend Nischen zur Besiedelung. Deshalb ist es wichtig sie so lange wie möglich zu erhalten, auch wenn sie keinen besonderen Ertrag mehr bringen.

Siebenschläfer
Streuobstbestände - Kultur- und Naturgut der Region
Stieglitz
1. Schaffung von Lücken in einem überalterten Obstbaumbestand
Sanierung
2. Nachpflanzung von Hochstamm-Obstbäumen; Baumruine bleibt stehen
3. Nach ca. 10 Jahren:
Entfernung der Baumruine; Lagerung des Holzes
Beim Pflanzen eines Obstbaumes sollte man einiges beachten

Die Pflanzgrube sollte etwa einen Quadratmeter groß und circa zwei Spatenlängen tief sein. Verschiedene Bodenschichten gilt es, getrennt zu lagern. Die Erde darunter sollte etwas gelockert werden. Hochstämme können im Abstand von acht bis zwölf Meter voneinander gepflanzt werden. Nicht bei Frost und großer Nässe pflanzen, Baumwurzeln sollten nicht ausgetrocknet sein, falls doch, vor Pflanzung einige Stunden wässern. Der Baum sollte mit einem acht Zentimeter dicken Pfahl und einer Schnur gesichert werden. Den Baum nur so tief pflanzen, dass die Veredelungsstelle (Verdickung am Stamm nahe an der Wurzel) mindestens eine handbreit über dem Boden liegt. Die Bodenschichten wieder in der ursprünglichen Folge einbringen. Die oberste Schicht kann mit etwas Kompost angereichert werden. Pflanzgrube leicht festtreten. Für das Wachstum des Baumes ist es günstig eine Baumscheibe anzulegen, in der das Gras kurz gehalten wird.

Stattliche, dickastige Obstbäume erreicht man aber nur, wenn sie in jungen Jahren regelmäßig geschnitten werden, was allerdings einiger Übung bedarf.

Lassen Sie sich deshalb vom Umweltamt beraten, wenn Sie Bäume pflanzen wollen. Es kann Ihnen z. B. einen Schnittkurs vermitteln und ggf. kostenlos Obstbäume zur Verfügung stellen.

Dies bietet auch der Obst- und Gartenbauverein Grünwettersbach 1921, Ansprechpartner Herr Hans Pfeil, Albert-Schneller-Weg 3

Grünspecht
Feuerbrand
In den letzten Jahren ist im Wettersbacher Gebiet verstärkt der Feuerbrand aufgetreten. Der Erreger dieser Pflanzenkrankheit ist ein Bakterium und dringt über Blüten, Triebspitzen und offene Wunden in Gehölze ein. Unter den Obstbäumen befällt er Birne, Apfel und Quitte, jedoch kein Stein- und Beerenobst.

Erkrankte Blätter und Triebe welken und verfärben sich braun bis schwarz. Diese Anzeichen können aber auch bei anderen Krankheiten auftreten, weshalb die genaue Diagnose einem Fachmann vorbehalten bleiben sollte. Nicht zuletzt deshalb und wegen der Verbreitungsgefahr ist der Verdacht auf Feuerbrand meldepflichtig. Die Abteilung Landwirtschaft beim Vermessungs- und Liegenschaftsamt der Stadt (Tel. 133-2380) nimmt die Meldungen entgegen und berät bei der Bekämpfung.

Da es keine für das Streuobst geeigneten Präparate gegen Feuerbrand gibt, ist das frühzeitige Erkennen befallener Pflanzen besonders wichtig. Weißdorn und Vogelbeere dienen dem Feuerbrand ebenfalls als Wirts- und Überträgerpflanze, Diese Arten sollte man in befallenen Gebieten deshalb nicht oder nur spärlich pflanzen. Das gleiche gilt auch für einige Zierpflanzen wie Cotoneaster, Feuerdorn und Stranvaesia, die aber ohnehin nicht in die freie Landschaft gehören,

Bei Neupflanzungen von Apfelbäumen sollte man resistente Sorten verwenden, das sind alle Sorten, die mit Re ... beginnen, wie zum Beispiel Remo.

Auch Bohnapfel und Booskop sind geeignet, da sie wenig anfällig sind. Birnen sind im allgemeinen gegen Feuerbrand wenig widerstandsfähig, mit Ausnahme der Sorte Harrow's Sweet.
Landschaftsschutzgebiet und dessen Pflege
Die Feldflur westlich von Wettersbach wird seit 1997 durch die Verordnung des Landschaftsschutzgebietes "Grünwettersbacher Wald-Hatzengraben" geschützt. Die Verordnung kann bei der Ortsverwaltung Wettersbach ebenso eingesehen werden, wie im Rathaus am Marktplatz bei der Naturschutzbehörde. Sie hat zum Ziel, das Erscheinungsbild der Landschaft zu erhalten, das vor allem von Wiesen und Streuobst geprägt wird. Damit dies gelingt, bedarf es aber auch einer naturverträglichen Nutzung. Wo diese heute nicht mehr stattfindet, müssen Maßnahmen zur Landschaftspflege ergriffen werden.

Um das Schutzziel zu konkretisieren und Hinweise für die aktive Gestaltung des Gebietes zu erhalten, hat das Umweltamt der Stadt Karlsruhe ein Pflegekonzept (Pflegeplan) erstellen lassen. Der Plan kann beim Umweltamt und bei der Ortsverwaltung Wettersbach eingesehen werden.

Der Pflegeplan nennt Entwicklungsziele, die als Richtschnur für die Entscheidungen der Naturschutzbehörde dienen und gibt Hinweise für die naturverträgliche Pflege der Grundstücke und Biotope. Der Pflegeplan enthält keine neuen Einschränkungen der Grundstückseigentümer. Aussagen, die über die Verbotsbestimmungen und Erlaubnisvorbehalte der Verordnung hinausgehen, sind stets freiwillig beziehungsweise nur mit Zustimmung des Grundstückseigentümers umsetzbar.

im Wesentlichen sollen also freiwillige Maßnahmen zur naturverträglichen Pflege der Grundstücke und zur Biotoppflege gefördert werden. Das Umweltamt berät Sie hierbei gerne. Rufen Sie einfach an.
Wenn Eigentümer ihre Grundstücke nicht mehr betreuen wollen, können sie sich an das Umweltamt wenden. Es wird dann ggf. versucht, die Grundstücke an Vereine oder ähnliche Organisationen bzw. an Privatpersonen in Form von Pflegepatenschaften zu vermitteln. Die Biotoppaten pflegen die Grundstücke im Sinne des Naturschutzes unter der fachlichen Beratung des Umweltamtes. Personen oder Vereine, die sich auf diese Weise engagieren möchten, können sich deshalb ebenfalls an das Umweltamt wenden.
mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: "Landschaftsschutzgebiet Grünwettersbacher Wald-Hatzengraben", Umweltamt der Stadt Karlsruhe 1999
Da das Fällen und andere schädliche Eingriffe an Bäumen, ohnehin der Erlaubnis der Naturschutzbehörde bedürfen, empfiehlt sich eine vorherige Beratung durch das Umweltamt.

Einen alten Obstbaum aufgeben sollte man nur dort, wo noch ein ausreichender Bestand an solchen Bäumen vorhanden ist, um ihn durch Nachpflanzen zu verjüngen.

Ideal wäre in diesem Fall, wenn der Baum als "Ruine" mit Stamm und gestutzter Krone noch einige Jahre stehen bliebe. Es hat sich nämlich gezeigt, dass stehendes Altholz ökologisch wesentlich bedeutsamer ist als liegendes oder aufgestapeltes Holz. Der Jungbaum kann im Abstand von drei Metern daneben gepflanzt werden.

Auf dieser Seite sollten die Äste der 'Ruine" besonders stark zurückgenommen werden. Bei steigendem Platzbedarf des Jungbaumes (nach rund zehn Jahren) kann die "Ruine" entfernt werden. Das Holz kann an einer geeigneten Stelle des Grundstücks abgelagert werden und dient dann zahlreichen Tieren als Unterschlupf. Brutstätte für "Schädlinge" werden damit nicht geschaffen.
stieglitz.JPG (83636 Byte) So wichtig alte Bäume sind, so bedeutsam ist auch ein ausgewogener Bestandsaufbau. Um den Baumbestand langfristig zu sichern, ist es notwendig, immer wieder hochstämmige Jungbäume nachzupflanzen. Dies sollte kontinuierlich über viele Jahre hinweg im Gebiet erfolgen